Abkürzungen bei der Selbstversorgung
Früher hatte ich den Traum von kompletter Selbstversorgung. Alles selber machen – das klang für mich lange unglaublich erstrebenswert. Aber wenn man das Ganze wirklich einmal ehrlich durchdenkt, merkt man ziemlich schnell: Das ist im Alltag kaum realistisch.
Und mittlerweile glaube ich auch, dass das gar nicht das eigentliche Ziel sein sollte.
Viel sinnvoller finde ich den Gedanken einer Gemeinschafts-Versorgung. Dass jeder das macht, worauf er Lust hat, wofür er Kapazität hat – und darin richtig gut wird. Und die anderen Dinge bezieht man von Menschen, die wiederum ihre Stärken dort haben.
Das nimmt unglaublich viel Druck raus.
Denn ganz ehrlich: Der Versuch, alles selbst zu machen, führt oft eher zur Überforderung. Man startet motiviert – und gibt dann frustriert auf, weil es einfach zu viel wird. Dabei kann Selbstversorgung auch einfach ein Hobby sein. Die meisten von uns haben ja noch einen Job, Familie und viele andere Verpflichtungen.
Es gibt so viele Möglichkeiten, nachhaltiger und gesünder zu leben, ohne gleich alles komplett selbst produzieren zu müssen.
Und ja, dabei sind Abkürzungen absolut erlaubt.
Gemüse und Früchte
Nicht jeder hat einen grossen Garten – und das ist auch völlig okay.
Man kann mit dem arbeiten, was man hat:
- ein paar Kräutertöpfe auf dem Balkon
- ein kleines Beet
- oder vielleicht ein Obstbaum im Garten
Wichtig ist vor allem, das anzubauen, was man wirklich isst.
Ich zum Beispiel bin eine ziemlich erfolgreiche Mangold-Anbauerin… nur leider mag mein Mann keinen Mangold. Das Resultat: Ein Grossteil bleibt ungenutzt. Auch das gehört zur Lernkurve 😄
Für den Einstieg eignen sich besonders gut:
- Salat
- Kräuter
- Sprossen
Wenn man wirklich einen Beitrag zur Ernährung leisten möchte, sind diese Pflanzen super:
- Bohnen
- Kürbis
- Kartoffeln
Einmachen
Man muss nicht alles selbst anbauen, um es haltbar zu machen.
Du kannst zum Beispiel:
- Tomaten vom Bauern kaufen und zu Sugo einkochen
- frisches Gemüse kaufen und fermentieren
Ich mache zum Beispiel sehr gerne Sauerkraut – baue aber selber keinen Kabis an.
Und das ist völlig okay.
Milchverarbeitung
Ich probiere mich immer wieder an Joghurt und Butter. Aber aktuell fehlt mir schlicht die Kapazität – und ehrlich gesagt auch der Platz für eine eigene Kuh 😄
Meine Lösung:
Ich hole einmal pro Woche frische Rohmilch bei unserem Nachbarn, der Kühe hat.
Ein perfektes Beispiel dafür, wie gut Gemeinschaft funktionieren kann.
Brot backen
Ja, ich habe sie auch gesehen – die wunderschönen Videos von Getreidemühlen auf Instagram. Und ja, ich kenne die Vorteile von frisch gemahlenem Mehl.
Aber ganz ehrlich?
Ich finde es manchmal schon herausfordernd genug, überhaupt Brot zu backen. Da muss ich nicht noch vorher Getreide mahlen.
Deshalb mache ich es mir einfacher:
- Ich kaufe Bio-Mehl
- gerne auch von kleinen, regionalen Mühlen
- oder einfach online
Und das passt für mich perfekt.
Seifen selber herstellen
Ich durfte einmal einen Workshop besuchen, in dem wir Seifen komplett selbst hergestellt haben – von Grund auf.
Es war super spannend… aber dieses Ätznatron 😅Da habe ich ehrlich gesagt grossen Respekt davor.
Meine Abkürzung:
Ich kaufe fertige Schafmilchseife und verfeinere sie mit Kräuter-Ölauszügen.
Einfach, schnell und trotzdem persönlich.
Kleider selber machen
Ich stricke sehr gerne. Aber auch hier: Das ist ganz klar ein Hobby. Ich bin weit davon entfernt, meine komplette Garderobe selbst herzustellen und das ist auch nicht mein Ziel.
Aber jedes selbstgemachte Stück macht mir Freude. Und genau darum geht es doch.
Fazit
Selbstversorgung muss nicht perfekt sein. Und sie muss schon gar nicht komplett sein.
Fang klein an. Probier Dinge aus. Mach das, was dir Spass macht und lass den Rest einfach weg.
Abkürzungen sind erlaubt.